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Alle Konventionellen Dämmstoffe im direkten Vergleich

90 Prozent der in Deutschland verwendeten Dämmstoffe sind mineralische Stoffe wie Stein- und Glaswolle. Neben den so genannten Mineralwollen kommen Dämmmaterialien wie Styropor, Polyurethan und Dämmschäume zum Einsatz, die oft aus Erdöl hergestellt werden. Hier finden Sie einen Vergleich dieser Dämmstoffe und alle wichtigen Informationen dazu.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • verfügen über gute bis sehr gute Dämmeigenschaften
  • sind in der Regel preiswerter als ökologische Dämmstoffe
  • erhalten die gleiche Förderung
  • sind mitunter gesundheitlich und ökologisch bedenklich
  • verbrauchen fossile und mineralische Ressourcen
  • Herstellung energieintensiv, Recycling eingeschränkt, Deponierung teuer

Das Dämmen von Häusern und Gebäuden spart Heizenergie und dient dem Klimaschutz. Dass 90 Prozent der in Deutschland verbauten Dämmstoffe so genannte konventionelle Dämmstoffe aus Erdöl- oder Mineralprodukten sind, liegt vor allem am Preis – die konventionellen Baumaterialien sind oft deutlich günstiger als die Dämmstoffe aus nachwachsendem Material. Bei aller Kritik an den konventionellen Dämmstoffen steht allerdings fest, dass sich die Kosten für ihre Herstellung über die mit ihnen erreichte Energieeinsparung in wenigen Jahren amortisieren.

Dämmstoffe: Das sollten Sie wissen

Häuschen aus verschiedenen Dämmstoffen(c) Ingo Bartussek - Fotolia.com

Definition Dämmstoffe

Laut dem Leitfaden Dämmstoffe des Bauzentrums München lassen sich Stoffe, die zur energetischen Dämmung von Gebäuden eingesetzt werden, nach ihren Rohstoffen in zwei Hauptkategorien einteilen: In organische und in anorganische beziehungsweise mineralische. Organische Stoffe werden aus nachwachsenden Stoffen wie Holzfasern oder aus Stoffen der Öl-Produkten hergestellt. Anorganische Materialien sind Mineralien, Glas und Steine – also Stoffe, in denen anders als in nachwachsenden Stoffen und Öl (das letztlich aus abgestorbenen Pflanzen besteht) nur sehr wenig Kohlenstoff vorkommt. Beide Gruppen werden weiter in natürliche oder synthetische Dämmstoffe unterteilt. Der Begriff „konventionelle Dämmstoffe“ umfasst die mineralischen Dämmstoffe und Dämmstoffe aus synthetischen Kunststoffen auf Erdölbasis.

organisch anorganisch bzw. mineralisch
natürliche Rohstoffesynthetische Rohstoffenatürliche Rohstoffesynthetische Rohstoffe
FlachsHarnstoff-F-OrtsschaumBlähglimmerBlähglas
GetreidegranulatMelaminharz-HartschaumBlähtonKlaziumsilikat
HanfResol-Hartschaum (Phenolharz)NaturbimsMineralfaser
HolzfaserPolyesterfasernPerliteMineralschaum
Holzspäneexpandiertes Polystyrol EPSSchaumglas
Holzwolleextrudiertes Polystyrol XPS

Schaumglas-

schotter

KokosfaserPolyurethan Hartschaum PUR
KorkPolyurethan Ortsschaum PUR
Schafwolle
Schilfrohr
Stroh
Wiesengras
Zellulose

Quelle: Leitfaden Dämmstoffe 3.0, Bauzentrum München, 2017, S. 19

Konventionelle oder ökologische Dämmstoffe?

Konventionelle Dämmstoffe punkten oft durch bessere Dämm-Eigenschaften als ökologische Dämmstoffe. Das zweite wichtige Kaufargument ist der Preis von teilweise nur fünf bis zehn Euro pro Quadratmeter dank Massenfertigung. Konventionelle Dämmstoffe haben allerdings eine deutlich schlechtere Ökobilanz als Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen. Bei der Herstellung werden meist sehr viel Energie und Rohstoffe verbraucht. Wenn die Stoffe nicht recycelt werden können, ist die Deponierung allein schon aufgrund des großen Volumens teuer.

In punkto Qualität und Dämmeigenschaften können viele Naturprodukte inzwischen mit mineralischen und konventionellen Dämmstoffen mithalten. Dämmstoffe aus Naturfasern nehmen nach Angaben des Bauzentrums München viel mehr Feuchtigkeit auf als konventionelle, ohne dabei ihre Dämmeigenschaften einzubüßen. Auch sind ökologische Dämmstoff demnach heute preislich zum Teil konkurrenzfähig.

Insbesondere Einblasdämmstoffe wie Zelluloseflocken können mit konventionellen Materialen mithalten: Die Materialkosten liegen bei üblichen Stärken bei etwa zehn Euro pro Quadratmeter. Eine Holzfaser-Einblasdämmung kostet zwischen 14 und 18 Euro pro Quadratmeter. Günstige Naturdämmstoffe sind auch Jute (circa 2,50 Euro pro Quadratmeter), Stroh (rund 16 Euro pro Quadratmeter) und Hanf (im Schnitt 20 Euro pro Quadratmeter). Die genannten Kosten der Einblasdämmstoffe beziehen sich auf Dämmstoffstärken um die zehn Zentimeter und wurden im Mai 2018 von dem Infoportal daemmen-und-sanieren.de ermittelt. Eine Besonderheit der Einblasdämmstoffe ist, dass sie anders als Wärmedämmsysteme oder Wärmedämmplatten vorhandene Hohlräume nutzen – insbesondere bei Altbauten. Zum Vergleich: Der häufig verwendete konventionelle Dämmstoff „Expandiertes Polystyrol“ (EPS, Styropor) kostet laut des Verkaufsportals schaumstofflager.de rund zehn Euro pro Quadratmeter bei etwa zehn Zentimeter Stärke.

Anwendungsgebiete für Dämmstoffe

Dämmungen sind grundsätzlich überall im und am Haus möglich. Besonders rentabel ist meist die Dämmung der obersten Geschossdecke. Auch ein Wärmeschutz an Kellerdecke oder Kelleraußenwänden verringert den Energieverlust bei relativ geringen Kosten. Wenn Sie die Fassade dämmen möchten, sollten Sie das möglichst an den Außenwänden tun. Eine Innendämmung hingegen kann bei denkmalgeschützten Gebäuden eine sinnvolle Alternative sein. Sie verkleinert jedoch den Innenraum. Die gängigste Fassadendämmung ist das Wärmedämmverbundsystem (WDVS), sprich Dämmstoffplatten mit Befestigung, Putzträgerschicht und einer Oberflächenschicht. Alternativen sind die Kerndämmung oder Einblasdämmung bei zweischaligem Mauerwerk.

Tabelle über die typische Anwendung verschiedener Dämmstoffe

Die Tabelle zeigt, welche Dämmstoffe häufig bei den verschiedenen Dämmmaßnahmen zum Einsatz kommen. Es handelt sich dabei um eine Auswahl typischer Anwendungen – weitere Dämmstoffe und auch weitere Dämmmaßnahmen sind durchaus möglich. Zu beachten ist immer, dass die Beschaffenheit des jeweiligen Gebäudes Lösungen erfordern kann, die von diesem Schema abweichen. Außerdem ist zu bedenken, dass vor Beginn der Dämmmaßnahme das komplette Dämmsystem und nicht nur der verwendete Dämmstoff gewählt werden muss. Grundsätzlich gilt, dass Dämmmaßnahmen immer gut geplant werden müssen. Entsprechende Fachleute in Ihrer Nähe finden Sie in dem kostenlosen Branchenverzeichnis Rat und Tat.

Markt für Dämmstoffe in Deutschland

Die konventionell-synthetischen Dämmstoffe beherrschten den bundesdeutschen Dämmstoffmarkt mit deutlich über 90 Prozent Marktanteil. Allein die Mineralwolle (Glaswolle und Steinwolle) kommt nach Angaben des Bauzentrums München auf einen Anteil von mehr als 50 Prozent. Es folgen EPS (30 bis 35 Prozent), Polyurethan (drei bis acht Prozent) und XPS (vier bis sechs Prozent). Bei Fassaden-Dämmungen dominieren EPS-Dämmstoffe. Eine untergeordnete Rolle spielen seit Jahren die sonstigen mineralischen Dämmstoffe wie Perlite und Schaumglas mit einem Marktanteil von etwa einem Prozent. Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben seit Mitte der 90er Jahre einen geringen, aber relativ stabilen Marktanteil (etwa vier bis sieben Prozent).

Konventionelle Dämmstoffe im Vergleich

Alle Dämmmaterialien unterscheiden sich nach Wärmeleitfähigkeit, dem Widerstand gegen das Eindringen von Feuchtigkeit (Dampfdiffusionswiderstand), der Brandschutzklasse und dem Preis. Je nach Eigenschaften können sie für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden.

Die Wärmeleitfähigkeit gibt an, wie viel Wärme durch den Dämmstoff nach außen dringt. Je niedriger der Wert, desto besser und umso dünner kann die Dämmschicht sein. Sie wird in Watt je Meter x Kelvin gemessen (W/mK). Vereinfacht gesagt gibt sie an, mit welcher Geschwindigkeit Wärme durch ein Material wandert.

Der Wert für den Dampfdiffusions-Widerstand (angegeben in μ ) zeigt, wie leicht Feuchtigkeit als Dampf in das Material eindringt – und natürlich auch wieder entweicht. Stoffe mit einem hohen Dampfdiffusions-Widerstand lassen kaum Feuchtigkeit eindringen, wie man an den hohen Werte für den Kunststoff EPS und für das Schaumglas erkennt. Diese Stoffe wirken als Dampfbremse.

Die Bandschutzklasse sagt dem Experten, wie leicht in Stoff Feuer fängt: Brandschutzklasse A1 bezeichnet laut der DIN 4102 nur die nicht brennbaren Stoffe. Bei der Klasse A2 können den nichtbrennbaren Stoffen einzelne brennbare Stoffe zugeschlagen sein. Die Klassen B1/B2/B3 bezeichnen die brennbar schwer/normal/leicht entflammbaren Stoffe.

MaterialWärmeleit-Fähigkeit [W/(mK)]Dampf-Diffusions-Widerstand µBrand-Schutz- Klasse 3)Reiner Material-Preis pro m2 in €
Mineralwolle0,032-0,0401-2A1/A2/B15-20
EPS/XPS0,030-0,04020-100/80-300B1/B25-20/15-30
Polyurethan0,023-0,03030-200 B1/B210-20
Perlite0,045-0,0702-4A120-45
Blähton0,100-0,1602-8A1gering, 18€ pro 50 Liter
Phenolharzschaum0,022-0,02510-50B1-B212-35
Mineralschaum0,042-0,0502-7A115-60
Schaumglas0,040-0,067dampfdicht A140-60
Kalziumsilikat0,045-0,0735-20A180

Quellen: Bauzentrum München, Leitfaden Dämmstoffe 3.0, 10/2017; Preise: www.energieheld.de/daemmung/daemmstoffe jeweils am Ende der Beschreibung der einzelnen Dämmstoffe; Preise für Phenolharzschaum & Mineralschaum: www.energie-experten.org/bauen-und-sanieren/daemmung/daemmplatten. Die Kosten variieren vor allem mit der Dicke und damit dem Materialvolumen. Die einzelnene Preise wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten seit 2015 erhoben und können sich seitdem verändert haben.

Siegel & Zertifizierungen

Es gibt mindestens ein Dutzend Siegel und Kennzeichnungen für Dämmstoffe. Die meisten zielen auf bestimmte Teileigenschaften wie „Holz aus zertifizierter Forstwirtschaft ab“. Das Umweltbundesamt bietet eine Übersicht über Umweltzeichen für Dämmstoffe an. Die wichtigsten sind dabei das RAL-Zeichen und der Blaue Engel.

Dämmstoffe mit dem Zertifikat „Blauen Engel“ werden „über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus schadstoffarm hergestellt und sind in der Wohnumwelt aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich“. Die Vergabe erfolgt durch das staatliche Umweltbundesamt, das die Kriterien Wärmedämmung, Schallschutz und Begrenzung der Emissionen aus den Produkten berücksichtigt.

Wer mit Mineralwolle dämmt, sollte auf das RAL-GZ 388 „Erzeugnisse aus Mineralwolle“ achten. Dabei handelt es sich um ein Qualitätszeichen, nicht um ein Öko-Siegel. Das Gütezeichen signalisiert, dass der Dämmstoff gemäß europäischer Gefahrstoffverordnung hergestellt wurde. Das bedeutet insbesondere, dass keine krebserregenden Fasern verwendet werden. So soll das erhebliche Krebsrisiko durch ältere Mineralfaser-Dämmstoffe ausgeschlossen werden.

Kosten

Die Kosten von Wärmedämmungen variieren sehr stark und hängen von Dämmverfahren, Dämmstoff und seiner Dicke (je nach Energiestandard meist zwischen 20 und 30 Zentimeter) ab. Konventionelle Dämmstoffe sind in der Regel preisgünstiger als ökologische, allerdings hängt das wiederum stark vom Einzelfall ab. Für viele Dämmmaßnahmen können Sie Fördermittel beantragen, etwa über das KfW-Programm „Energieeffizienz Sanieren“ zinsgünstige Kredite mit Tilgungszuschüssen sowie Investitionszuschüsse von bis zu 30 Prozent der Kosten. Für das Dämmen mit natürlichen Dämmstoffen gibt es die gleiche staatliche Förderung wie für das Dämmen mit herkömmlichen Stoffen. Weitere Informationen zu den Kosten der Wärmedämmung finden Sie in unserem Artikel Wärmedämmung - Kosten im Überblick.

Mineralwolle

Dämmung Steinwollplatte(c) Evelyn Hillebrand / Verbraucherzentrale NRW e.V.

Die beiden anorganischen Mineralfasern Steinwolle und Glaswolle sind vor allem wegen ihres geringen Preises und ihrer Vielseitigkeit die mit Abstand gebräuchlichsten Dämmstoffe in Europa. In Deutschland erreichen sie einen Marktanteil von 50 bis 60 Prozent. Sogenannte Hybridwolle ist eine Mischung aus beiden Stoffen. Steinwolle und Glaswolle entstehen jeweils durch das Einschmelzen eines natürlichen Minerals wie Sand oder Spat. Bei Steinwolle kommen bestimmte Gesteine wie Kalkstein oder Basalt zum Einsatz, bei Glaswolle sind es Alt-Glas beziehungsweise Glasrohstoffe wie Quarzsand. Die Schmelze wird durch Zentrifugieren, Ziehen und Blasen zu Fasern weiterverarbeitet, die dann mit Bindemitteln (meist Phenol-Formaldehyd) zu Platten und Vliesen verklebt werden.

Die Mineralwollen sind auch als Rollen, Matten oder lose Wollfasern erhältlich, die als Stopfwolle verwendet werden können. Mineralwolle dämmt sehr gut, mit einem sehr geringen Wert für die Wärmeleitfähigkeit von 0,032 bis 0,04 W/mK. Die künstlichen Mineralfasern sind beständig gegen Verrottung, Schädlinge und Pilzbefall. Ältere Glaswolle, die vor 1996 hergestellt wurde, gilt als krebserregend. Deshalb ist Vorsicht geboten bei Rückbau und Sanierungen. Neue Glaswolle hingegen ist gesundheitlich unbedenklich, dafür bürgt das „RAL-Gütezeichen für Mineralwolle“. Sie kann aber bei direktem Kontakt Hautreizungen verursachen. Bei der Verarbeitung ist also Schutzkleidung dringend empfohlen. Die Herstellung erfordert sehr viel Energie, die aber durch die Nutzung als Dämmstoff wieder eingespart wird. Mineralwolle kann recycelt werden, eine Deponierung hingegen ist aufwendig und teuer.

Vor- und Nachteile von Mineralwolle

VorteileNachteile
  • universell einsetzbar, leicht zu verarbeiten 
  • geringe Wärmespeicher-Fähigkeit                  
  • nicht brennbar 
  • kann keine Feuchtigkeit aufnehmen 
  • sehr gute Dämmeigenschaft 
  • Druckfestigkeit gering bis mittel
  • geringer Preis
  • alte Wolle ist gesundheitsschädlich
  • recycelbar 
  • hoher Energieaufwand in der Herstellung

Anwendungsbereiche

Mineralfasern sind universell einsetzbar, zum Wärme-, Schall- und Brandschutz, im Innen- und Außenbereich, in Steildächern und Decken sowie im Heizungs- und Sanitärbereich. Für höhere Druckbelastungen ist der Dämmstoff allerdings ungeeignet.

Kosten und Preise für Mineralwolle

Die Dämmung mit Mineralwolle ist relativ kostengünstig. Je nach Stärke und U-Wert kostet Steinwolle zwischen fünf und 20 Euro pro Quadratmeter und Glaswolle zehn bis 20 Euro. 

Mineralschaum / Mineraldämmplatte

Dämmung Mineraldämmplatte(c) Evelyn Hillebrand / Verbraucherzentrale NRW e.V.

Mineraldämmplatten bestehen überwiegend aus gemahlenem Quarzsand und Zement sowie Kalk und Wasser. Die Bestandteile werden mit einem Treibmittel wie Natronlauge zu Brei vermischt und bei hoher Hitze und Druck aufgeschäumt und gebacken. Das aufgeschäumte Material wird unter heißem Dampf ausgehärtet und zu Blöcken/Platten geschnitten. Die mikroporöse Struktur sorgt für gute Dämmeigenschaften (Wärmeleitfähigkeit 0,045 W/mK) und Diffusionsoffenheit. Der Baustoff ist nicht brennbar.

Typischerweise werden die Platten auf dem möglichst ebenen Untergrund verklebt oder mechanisch befestigt, zum Beispiel mit Dübeln. Das System ist rein mineralisch und weist eine gute Ökobilanz auf. Gesundheitliche Belastungen sind nicht bekannt. Die Mineraldammplatte ist zertifiziert durch natureplus und das Institut Bauen und Umwelt e.V.

Vor- und Nachteile von Mineralschaum / Mineraldämmplatten

Vorteile                                   Nachteile
  • vielseitig einsetzbar
  • nicht ganz so gute Wärmedämmung
  • gesundheitlich und ökologisch unbedenklich
  • Deponierung ist teuer
  • hohe Druckfestigkeit
  • nicht brennbar
  • recycelbar

Anwendungsbereiche

Mineralschaumplatten sind vielseitig anwendbar, außen wie innen. Besonders geschätzt sind sie als ökologisches Wärmedämmverbundsystem (WDVS) für die Außenfassade. Sie eignen sich sowohl für den Neubau als auch für die energetische Sanierung von Massivbauten. Durch Einsatz dickerer Materialstärken lassen sich problemlos Dämmstandards in Passivhausqualität erreichen. Wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Hitze, Wetter, Zug und Druck oder Mikroorganismen kann die Dämmstoffplatte im Hochbau bis zu Gebäudehöhen von 100 Metern, für die hohe Brandschutzauflagen gelten, eingesetzt werden. 

Kosten und Preise für Mineralschaum

Platten in Stärke von zehn Zentimetern kosten etwa 30 Euro je Quadratmeter.

Polystyrol

Plattendaemmstoff Polystyrol(c) IpeG-Institut

Ein gängiger Dämmstoff: Polystyrol in Plattenform

Polystyrol ist ein Schaumkunststoff auf Basis der Erdölprodukte Ethylen und Benzol. Er dient als Vorprodukt für die beiden synthetischen Schaumdämmstoffe Polystyrol-Partikelschaum (EPS, besser bekannt als Styropor) und Polystyrol-Extruderschaum (XPS). Mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent in Deutschland sind sie die klare Nummer zwei unter den Dämmstoffen hinter Steinwolle/Glaswolle. Im Segment der Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) ist EPS sogar führend. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,030-0,040 W/(mK) verfügt der Dämmstoff über ein ähnlich gutes Wärmedämmvermögen wie die Mineralwollen. Graues EPS beinhaltet Grafitpartikel, die Strahlung reflektieren und absorbieren und so die Wärmeleitfähigkeit um weitere rund 20 Prozent senken.

Die Herstellung von Polystyrol-Schaumdammstoffen ist aufwendig und umweltbelastend und erfordert umfangreiche Arbeitsschutzmaßnahmen. Das Granulat wird unter großer Hitze und Zugabe von Wasserdampf und Treibmitteln wie Kohlendioxid aufgebläht. Der fertige Dämmstoff lässt sich leicht bearbeiten. Bis Februar 2018 durften EPS-Dämmstoffe nach Angaben des Bauzentrums München per Ausnahmeregelung eine gewisse Menge des giftigen und verbotenen Flammschutzmittel HBCD enthalten. Vorausgesetzt, der Hersteller verfügt über eine Zulassung unter der EU-Chemikalienverordnung REACH. Inzwischen gibt es auf dem Markt genügend alternative EPS-Dämmstoffe ohne HBCD.

Vor- und Nachteile von Polystyrol

VorteileNachteile
  • Kostengünstig 
  • Brennbar, schwer entflammbar        
  • Gutes Wärmedämm-Vermögen 
  • Nicht UV-beständig 
  • Flexibel einsetzbar
  • Kann giftiges HBCD enthalten 
  • Nicht verrottbar 
  • Verbrauch fossiler Brennstoffe

Anwendungsbereiche

Am häufigsten werden Dämmstoffplatten aus EPS für die Fassadendämmung innerhalb eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) eingesetzt. Sie kommen auch in Frage für die Dach-, Trittschall- und Wärmedämmung bei Geschossdecken unter schwimmenden Estrichen. XPS kommt insbesondere als erdberührte Dämmung sowie als Wärmedämmung druckbelasteter Flachen zum Einsatz.

Kosten und Preise für Polystyrol

Platten aus EPS oder XPS sind recht preiswert und kosten je nach Beschaffenheit und Dicke zwischen fünf und 30 Euro pro Quadratmeter.

Polyurethan

Polyurethan (PUR) ist nach Mineralwolle und EPS einer der am meisten genutzte Dämmstoffe. Das Dämmvermögen ist mit einem Wert von 0,02 W/mK für die Wärmeleitfähigkeit besser als bei sämtlichen anderen Materialien. PUR ist ein Schaumstoff, Polyisocyanurat (PIR) dessen Weiterentwicklung. Sie werden in der Regel aus Erdölerzeugnissen (Polyole, Isocyanate) gewonnen, künftig möglicherweise auch aus nachwachsenden Rohstoffen wie Kartoffeln oder Mais. Die Ausgangsmaterialien werden mit Treibmitteln wie Pentan oder Kohlendioxid erhitzt und so aufgeschäumt. Dämmplatten aus PUR- / PIR-Hartschaum werden industriell hergestellt, in Form gebracht und auf Maß geschnitten. PUR- / PIR-Spritzschaum oder Montageschaum wird auf der Baustelle unter Luft- oder Flüssigkeitsdruck aufgeschäumt und ist gerade beim Einbau von Fenstern ein gängiger Stoff zum Abdichten.

Bei der Herstellung von PUR und PIR und deren Rohstoffen sind gesundheitlich und ökologisch bedenkliche Gefahrstoffe mit erheblichem Risikopotential beteiligt, zum Beispiel Benzol, Schwefelsaure, Salpetersaure, Formaldehyd oder Chlor. Im fertigen Endprodukt sind laut Industrieverband PU-Hartschaum keine toxischen Substanzen enthalten und werden somit bei der Anwendung auch nicht freigesetzt. Das überwiegend verwendete Flammschutzmittel TCPP steht im Verdacht, krebserregend zu sein. PUR / PIR gelten bei sachgerechter Verarbeitung als beständig, jedoch nicht als resistent gegen UV-Strahlung und Nagetiere.

Vor- und Nachteile von Polyurethan

Vorteile   Nachteile
  • beste Wärmedämmung                     
  • brennbar, schwer entflammbar 
  • kostengünstig 
  • ökologisch und gesundheitlich bedenklich 
  • sehr flexibel einsetzbar
  • Verbrauch fossiler Brennstoffe
  • druckfest, trotzdem leicht 
  • energieintensive Produktion
  • unverrottbar 
  • nicht als resistent gegen UV-Strahlung 

Anwendungsbereiche

Polyurethan eignet sich für die Außendämmung von Dach und Decke, Zwischensparrendämmungen, die Innendämmung der Decke und Bodenplatte, Außendämmungen bis hin zur Wärmedämmung unter der Bodenplatte gegen das Erdreich. Druckbelastete Flächen kommen ebenso in Frage wie das Ausschäumen von Hohlräumen. PUR- / PIR-Spritzschaum oder Montageschaum sollten Fachfirmen verarbeiten, um Gestank durch unvollständige Aushärtung zu vermeiden.

Kosten und Preise für Polyurethan

Sehr gering, je nach Dicke nur zwischen zehn und 20 Euro je Quadratmeter. 

Phenolharzschaum

Dämmung Phenolharzschaum(c) Evelyn Hillebrand / Verbraucherzentrale NRW e.V.

Phenolharzschaum ist ein Schaumkunststoff aus Phenol und Formaldehyd und somit letztlich ein Erdölprodukt. Das Phenolharz (Kunstharz) wird mit dem Treibmittel Pentan und einem Härter gemischt, als Bandware aufgeschäumt und zu Platten verarbeitet. Diese sind sehr vielseitig einsetzbar und bieten sehr gute Wärmedämm-Eigenschaften. Die Wärmeleitfähigkeit ist mit 0,022 W/mK sehr gering.

Der Dämmstoff lässt sich aufgrund der hohen Rohdichte gut zersägen, das Einpassen ist wegen der Sprödigkeit des Materials jedoch aufwändig. Direkter Kontakt mit Metall und Feuchtigkeit ist zu vermeiden, um Korrosionsschäden (weißer Rost) zu verhindern. Das Material muss trocken lagern und gegen Witterungseinflüsse geschützt werden. Eine Grundlage für Phenolharz ist die industriechemische Verbindung Phenol. Phenol steht unter Verdacht, Verätzungen zu verursachen und gilt als gesundheitlich bedenklich.

Vor- und Nachteile von Phenolharzschaum

VorteileNachteile
  • sehr gute Dämm-Eigenschaft 
  • Erdölprodukt
  • vielseitig einsetzbar 
  • aufwändige Verarbeitung
  • schwer entflammbar
  • gesundheitlich bedenklich 
  • empfindlich gegen Feuchtigkeit

Anwendungsbereiche

Phenolharz-Dämmplatten sind sehr vielseitig einsetzbar, zum Beispiel als Teil eines Wärmedämmverbundsystems für die Fassaden-Dämmung oder für eine Kerndämmung. Mit Phenolharzplatten lassen sich zudem Keller- und Obergeschoss-Decken dämmen. Möglich sind auch eine Aufsparren- und eine Untersparren-Dämmung des Dachs sowie eine Flachdachdämmung. Bei einem Verlegen unter Heißbitumen empfiehlt sich der Einbau einer Zwischenschicht aus Blähperlit-Platten. Die Phenolharzhartschaumplatten sind aufgrund ihres eher spröden Materialverhaltens auf begehbaren Flächen beispielweise durch Bohlen zu schützen.

Kosten und Preise für Phenolharzschaum

Die Kosten von Phenolharz Hartschaumplatten liegen nach Angaben der Info-Website energie-experten.org (Stand März 2016) zwischen 11 Euro für 20 mm starke Platten und 35 Euro (100 mm Stärke). 

Kalziumsilikatplatten

Dämmung Kalziumsilikatplatte(c) Evelyn Hillebrand / Verbraucherzentrale NRW e.V.

Kalziumsilikatplatten werden aus Kalziumoxid, Siliziumdioxid, Flugasche und Zellulose hergestellt, die mit Wasser aufgeschlämmt zu Kalziumsilikat reagieren. Die Masse wird getrocknet und zu Platten geformt. Sie dient aber auch Schüttung für das Befüllen von Hohlräumen. Das Dämmvermögen ist gerade im Vergleich zu anderen konventionellen Stoffen wie Mineralwolle oder EPS/XPS und PUR eher gering. Wegen des hohen pH-Werts von mehr als zwölf und größtmöglicher Resistenz gegen Schimmel eignet sich der Dämmstoff sehr gut für die Dämmung von Innenräumen. In dem Fall sind Dampfsperren oder Dampfbremsen nicht notwendig, weil Kalziumsilikat Feuchtigkeit in hohem Maße puffert, wieder schnell an die Raumluft abgibt und austrocknet.

Für den großflächigen Einsatz sind Kalziumsilikatplatten allerdings sehr teuer mit Preisen von bis zu 80 Euro pro Quadratmeter. Der Dämmstoff wird daher für feuchtebelastete Bauteile und in der Denkmalpflege eingesetzt. Bei der Herstellung sind keine Treibmittel oder organische Additive nötig. Im Brandfall entstehen keine giftigen Gase. Beim Sägen kann Feinstaub entstehen, der die Atemwege belasten. Die Platten sind zudem sehr starr und brechen leicht.

Vor- und Nachteile von Kalziumsilikatplatten

VorteileNachteile
  • vielseitig einsetzbar 
  • sehr teuer 
  • hoher PH-Wert, Schimmel-resistent
  • Dämmwerte (0,05-0,07) eher mäßig 
  • bei Brand keine giftigen Gase
  • Druckfestigkeit mittel 
  • nicht brennbar
  • Schüttung recyclingfähig

Anwendungsbereiche

Kalziumsilikat eignet sich unter anderem für die Außendämmung von Dach, Decke und Fassade, Innendämmung der Decke, des Daches oder Bodenplatte unter Estrich. Gerade bei problematischen Innendämmungen von Altbauten und Fachwerkhäusern kommt es häufig zum Einsatz. Der Dämmstoff muss trocken gelagert und vor Säuren geschützt werden, die zur Auflösung führen würden. 

Kosten und Preise für Kalziumsilikat

Mit 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter sind die Dämmplatten jedoch vergleichsweise teuer.

Weitere Dämmstoffe

Perlite

Perlite gehören wie Blähton und Schaumglas zu den sonstigen mineralischen Dämmstoffen mit einem Marktanteil von zusammen gerade einmal einem Prozent. Perlite sind kleinste, glasartige Körner aus vulkanischem Gestein. Blähperlit gilt als ökologisch und gesundheitlich unbedenklich. Bei einer Wärmeleitfähigkeit von 0,045 bis 0,1 W/mK dämmen Perlite nicht so gut wie etwa Mineralwolle oder Polyurethan oder auch viele Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Perlite verrotten nicht und sind beständig gegen Ungeziefer.

Vor- und Nachteile von Perlit

VorteileNachteile
  • vielseitig einsetzbar 
  • relativ mäßige Wärmedämmung                        
  • nicht brennbar, keine Flammschutzmittel
  • hoher Energieaufwand bei der Herstellung
  • gesundheitlich & ökologisch unbedenklich
  • Platten sind druckfest, hoch belastbar
  • recycelbar

Anwendungsbereiche

Das potenzielle Anwendungsfeld ist sehr weit. Blähperlit wird unter anderem als Schüttung in horizontale Hohlräume und Dächer eingebracht, in Kerndämmungen von zweischaligem Mauerwerk oder als Estrich-Ausgleichsschüttung.

Kosten und Preise für Perlite

Das Perlit-Granulat kostet 100 bis 170 Euro je Kubikmeter, die Perlitplatten weisen 20 bis 45 Euro pro Quadratmeter.

Schaumglas

Schaumglas besteht aus den zur Glasherstellung nötigen Rohstoffen wie Quarzsand, Kali und Kalk. Alternativ kann auch Altglas verwendet werden. Das Dämm-Vermögen ist gut, bei einer Wärmeleitfähigkeit von 0,04 bis 0,06 W/mK. Schaumglas ist zudem praktisch dampf- und wasserdicht und nicht brennbar, besitzt eine hohe Druckfestigkeit, ist formstabil und resistent gegen Schädlinge. Schaumglas ist jedoch auch relativ teuer. 

Vor- und Nachteile von Schaumglas

VorteileNachteile
  • gutes Dämmvermögen
  • teuer
  • hohe Druckfestigkeit
  • verträgt keine Punktbelastungen
  • dampfdicht 
  • empfindlich gegen Frost und Wasser
  • nicht brennbar
  • energieintensive Herstellung
  • vielseitig
  • hohe Kosten der Deponierung

Anwendungsbereiche

Aufgrund des hohen Materialpreises beschränkt sich der Einsatz in der Regel jedoch auf die Dämmung gegen das Erdreich (Kellerwände und Terrassen), Flachdächer sowie druckbelastete Flächen wie Industriefußböden.

Kosten und Preise von Schaumglas

Schaumglas kostet zwischen 60 und 80 Euro pro Quadratmeter und ist damit recht teuer.

Autoren: Kristina Simons / Marcus Franken

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