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Für Familie Schmidt bedeutet ökologische Dämmung, Verantwortung zu übernehmen.

Als Ferdinand Schmidt den Kaufvertrag für sein neues Haus unterschrieb, waren zwei Dinge von Anfang an klar. Erstens: Er würde das Haus in der Nähe von Bremen nicht selber beziehen, sondern an seine Schwester vermieten. Und Zweitens: Das Dach musste in jedem Fall gedämmt werden. „Das Haus ist von 1961 und da es noch das erste Dach ist, befand es sich natürlich nicht mehr in einem guten Zustand“, erinnert sich Schmidt. Damit meinte er vor allem die alten Hohlpfannen. Doch für neue Ziegel müssten auch die Balken verstärkt werden. Diese Kompletterneuerung des Daches wollte Schmidt aber aus finanziellen Gründen erstmal nicht in Angriff nehmen. Stattdessen plante er eine ökologische Dämmung des Daches, wobei das Geld für ihn mitnichten das wichtigste Argument für diese Maßnahme war.

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über das Haus:

  • Einfamilienhaus
  • Baujahr: 1961
  • Wohnfläche: 118 m2
Dämmung:
  • Dachschräge
  • obere Geschossdecke
Dämmstoff:Zellulose-Flocken
Stand:Februar 2019

Ottersberg, im Juli 2018. „Ich beschäftige mich auch beruflich mit dem Gebäudesektor“, sagt Ferdinand Schmidt, der als Leiter der Forschungsgruppe „Energie- und Gebäudetechnologie“ am Karlsruher Institut für Technologie tätig ist. Er bewertet das von der Bundesregierung gesteckte Ziel, den Gebäudebestand in Deutschland bis 2050 klimaneutral werden zu lassen, als eine echte Herausforderung. Eine Herausforderung, der er sich als frischgebackener Hausbesitzer stellen wollte. „Als jetzt klar war, dass ich ein Haus kaufe, war da schon die Frage ‚ wie mein Beitrag dazu aussehen kann…“.

Dabei ist Schmidt der Ansicht, dass die meisten Bauherren nur das machen, was sie im Rahmen einer Förderung machen müssen und was sich rechnet – und vieles rechnet sich seiner Einschätzung nach bei den heutigen Energiepreisen nicht. Für effektiven Klimaschutz bräuchte es aber mehr: „Ich glaube, es erfordert immer noch viel Idealismus, um die Maßnahmen umzusetzen, die erforderlich sind.“

Energetische Sanierung – von der Theorie und zur Praxis

In der Theorie fühlte sich Schmidt beim Thema energetische Sanierung schon von Berufswegen relativ sicher. Doch als es dann an die praktische Umsetzung ging, wollte er auf die Meinung eines Fachmanns mit viel praktischer Erfahrung nicht verzichten. „Es ging mir um ganz konkrete Fragen zu meinem Objekt“, erinnert er sich, „deswegen habe ich das sowohl mit dem Energieberater gemacht und dann habe ich mit dem ausführenden Handwerker auch noch mal alles durchgesprochen.“

Schmidt entschied sich schließlich für eine Einblasdämmung in der Dachschräge im Obergeschoß und in der oberen Geschossdecke. Zusammen würden sie den gedämmten Abschluss des ersten Obergeschosses bilden, während der Dachboden darüber weiterhin ungedämmt bliebe.

Dazu waren zusätzliche Maßnahmen nötig, wie den Einbau einer neuen Dachbodentreppe mit getrennter, abgedichteter Luke. Online hatte Ferdinand Schmidt sich vor allem über die Vor- und Nachtteile verschiedener Dämmmaßnahmen informiert. Beim Dämmstoff fiel die Wahl auf Zellulose, „weil es ein natürlicher Baustoff ist, weil er gute Dämmwerte und einen guten sommerlichen Wärmeschutz erreicht.

Auf die Plätze, dämmen, fertig!

Als es losging, wurde zunächst die Dachluke ausgetauscht. Weil die Geschoßdecke und die Dachschräge mit nicht weiter nutzbarer Mineralwolle gedämmt waren, musste diese im nächsten Schritt entfernt werden. Und danach bekam Ferdinand Schmidt kaum noch etwas von den weiteren Sanierungsarbeiten mit. Der Schlauch für die Einblasdämmung wurde über ein kleines Giebelfenster eingelassen und den Rest erledigten die Handwerker auf dem Dachboden quasi hinter verschlossen Türen – beziehungsweise hinter der verschlossenen Dachluke.

Wegen der unterschiedlichen Abstände der Sparren mussten die Handwerker für die Dachschräge zuerst Dämmsäcke zuschneiden. Danach passten sie die Säcke in die Schräge ein und befüllten sie per Einblasschlauch mit Zellulose-Flocken. Für die Dämmung der Geschossdecke wurde der 14 Zentimeter große Hohlraum in der Decke ebenfalls per Einblasdämmung mit Zellulose-Flocken befüllt.

Im Rest des Hauses gab es weder Schmutz, noch Staub, noch eine nennenswerte Lärmbelästigung – und nach nur drei Tagen war alles fertig! Da die Maßnahmen gerade erst abgeschlossen wurden, können Schmidt, bzw. dessen Schwester noch nicht sagen, wie es sich im gedämmten Haus lebt. Auch wenn es bis zur Klimaneutralität noch ein weiter Weg ist: Mit seiner Dämmmaßnahme hat Ferdinand Schmidt sich seiner ökologischen Verantwortung als Hausbesitzer in jedem Fall gestellt.

Planung, Umsetzung, Alltagsfragen – Erfahrungsberichte von Familie Schmidt

Natürliche Dämmung: richtig planen

(c) co2online I Alois Müller

Mit Spezialisten für ökologische Dämmung arbeiten

„Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Handwerker erwischt, der ganz konventionell an das Thema rangeht, ist sehr groß. Da empfiehlt es sich in jedem Fall die Spezialisten zu fragen, die sich mit ökologischer Sanierung auskennen. Das muss dann auch nicht automatisch teurer sein“.

Sanierungsfahrplan: An und in die Zukunft denken

„Ich empfehle, sich Gedanken über einen Sanierungsfahrplan zu machen. Also, dass man sich nicht nur die erste Maßnahme überlegt, sondern schon versucht, so eine Gesamtbetrachtung zu bekommen. Wie soll das Gebäude in 20, 30 Jahren sein? Wieviel Geld habe ich wann zur Verfügung? Was sind die Pakete, die gemacht werden müssen? Und wie passt das alles zusammen? Wenn man sich damit nicht so gut auskennt, ist es sicherlich sinnvoll, sich da eine Beratung zu holen…“.

Sinnvoll und aufschlussreich: Die Vor-Ort-Beratung

„Eine Beratung vor Ort ist in jedem Fall sinnvoll. Da geht es um viele Details, die man eben auch erst vor Ort sieht. Darum ist so ein Gespräch sehr aufschlussreich und vieles lässt sich dann auch gleich abschließend klären…“.

Natürliche Dämmung: Umsetzung

(c) co2online I Alois Müller

Einblasdämmung? Komplett saubere Sache

„Die Durchführung der Maßnahmen verlief überraschend geräuschlos. Ich hatte gedacht, dass dieses Einblasen viel mehr Lärm und Dreck macht. Ich hatte auch eine gewisse Belästigung für die Nachbarn erwartet, die ist aber überhaupt nicht eingetreten. Es war eine komplett saubere Sache.“

Natürliche Dämmung: Alltagsfragen

(c) co2online I Alois Müller

Amortisieren im überschaubaren Zeitrahmen

„Bei der Finanzierung war uns klar, dass wir keinen Kredit aufnehmen wollten. Es sollte kostengünstig sein und sich in einem überschaubaren Zeitrahmen amortisieren. Denn es kann gut sein, dass ich da in zehn Jahren sowieso noch mal ran muss und dann soll sich die Maßnahme im Idealfall schon gerechnet haben.“

Steuerliche Einschränkung

„Da ich das Haus als Kapitalanlage auch steuerlich angeben kann und nicht selber drin wohne, sondern Vermieter bin, darf ich nur 15 Prozent des Kaufpreises des Hauses in den ersten drei Jahren reinstecken. Ansonsten müsste ich alles, was ich reinstecke, über die 50 Jahre des Gebäudes strecken und das ist steuerlich sehr, sehr ungünstig. Deswegen war ich schon sehr begrenzt und das fand ich sehr schade. Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte ich sicherlich noch mal anders nach Sanierungs- und Fördermöglichkeiten geschaut…“.

Autor: Clemens Boekholt